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Derbysieger Leverkusen: Brandt on Fire

lundi 11 avril 2016

Leverkusens Sieg in Köln: Brandt bringt Bayer auf Kurs
Getty Images

Bayer Leverkusen gewann das Rheinderby beim 1. FC Köln souverän und beherrschte das Spiel. Bayer ist wieder auf Kurs - auch dank eines in Bestform spielenden Jungstars.

Erst als alles längst entschieden war, kam in Köln-Müngersdorf noch so etwas wie Derby-Atmosphäre auf. Leonardo Bittencourt hatte Leverkusens Admir Mehmedi rustikal abgeräumt, und schon liefen 15 Fußballer wild ineinander, fluchten, schrien und rempelten sich an. Bayer-Verteidiger Wendell griff seinem Gegenspieler an den Hals. Kurze Zeit später mussten sowohl Bittencourt (Rot) als auch Wendell (Gelb-Rot) in die Kabine.

Fast 94 Minuten lang hatten die 50.000 Zuschauer des 2:0-Sieges von Bayer Leverkusen beim 1. FC Köln vergeblich auf etwas Trubel gewartet. Giftige Zweikämpfe, hitzige Wortgefechte, Spannung, Theater an der Seitenlinie - all das hatte das rheinische Derby diesmal nicht im Programm.

Auch die Fans beider Seiten boten lediglich guten Bundesliga-Standard. Drinnen wie draußen. Zwar hatten die Leverkusener ihren üblichen Marsch vom Hauptbahnhof durch die Kölner Innenstadt gemacht - was angesichts der zeitgleich stattfindenden Demonstrationen für und gegen den türkischen Präsidenten Erdogan mehr als 1500 Polizisten auf den Plan gerufen hatte. Bis auf ein paar zu Bruch gegangene Scheiben in den Straßenbahnen zum Stadion passierte aber nichts.

Bayer hat zu Dominanz zurückgefunden

Dass es danach auch auf dem Platz wenig hitzig wurde, lag an der Dominanz der Leverkusener. Zwar hatten auch die Kölner ein paar frühe Chancen, vor wirkliche Probleme stellten sie die Gäste aber nur, wenn Bittencourt ins direkte Duell ging oder geschickt wurde. Meist kam es aber gar nicht so weit, weil Bayer das Mittelfeld komplett beherrschte.

Wenn Leverkusen dann auch schnell und direkt spielte, wurden die Kölner endgültig zu Zuschauern. Beste Beweise waren die perfekt vorgetragenen Angriffe über Karim Bellarabi, die zu den Toren durch Julian Brandt (39.) und Javier Hernández (44.) führten. FC-Trainer Peter Stöger musste hinterher neidlos die "individuelle Klasse in der Offensive" der Gäste anerkennen.

Das Lob aus der Nachbarstadt durfte besonders Julian Brandt gegolten haben. Ist der 19-Jährige doch einer der Hauptgründe, warum Bayer pünktlich zum Saisonende in Form ist. Nach vier Siegen ohne Gegentor in Folge liegt Leverkusen wieder auf Rang vier und nur noch einen Punkt hinter Hertha BSC. Brandts Beitrag: drei Tore und zwei Vorlagen, in den jüngsten drei Spielen schoss er jeweils das 1:0.

Brandt in der Rolle als "Korkenzieher"

"Ich fühle mich in der Rolle als Korkenzieher ganz wohl", sagte er hinterher lachend. Und auch die Kollegen kamen bei ihren Statements nicht um den flinken Linksaußen herum. Man müsse sich "um sein Talent und seine Qualität nicht streiten", befand Torwart Bernd Leno, auch wenn er "natürlich ein paar schwierige Phasen gehabt" habe.

In der Tat lief es längst nicht immer so rund wie aktuell. 21 Mal wurde Brandt während seiner ersten 21 Ligaspiele ein- oder ausgewechselt. Oft reichte es nicht mal für eine halbe Stunde. Weil auch die Leistung selten stimmte, wähnte der "Express" die Karriere des 19-Jährigen noch im Februar "am Scheideweg".

Brandts Potenzial ist unbestritten, im nun dritten vollen Bundesligajahr schien er in seiner Entwicklung aber stehengeblieben zu sein. Kein Einzelfall in Leverkusen. Auch Karim Bellarabi, Hakan Calhanoglu und Christoph Kramer blieben diese Saison lange hinter den Erwartungen zurück.

Nun sieht das wieder anders aus. Bayers Spieler funktionieren als Mannschaft und individuell. Weil Trainer Schmidt nicht mehr bedingungslos anrennen lässt, und weil einzelne vorangehen. Brandt falle "natürlich extrem auf, weil er so viele richtige Entscheidungen trifft", lobte der lange skeptische Schmidt nun nach dem Köln-Spiel. "Wo er vor ein paar Wochen vielleicht den Ball in der ein oder anderen Situation zu leichtfertig verloren hat, hat er jetzt eine hohe Ballsicherheit."

Die Frage, ob das bereits für die Europameisterschaft reicht, umging der Trainer zwar geschickt. Dass der 19-Jährige irgendwann aber A-Nationalspieler werde, sei nur "eine Frage der Zeit". Brandt selbst hielt sich aus der Diskussion raus. Man solle die Kirche im Dorf lassen, sagte er. Und hat ohnehin andere Pläne: Olympia in Rio. "Das wäre doch geil."

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