Großbritannien: Cameron warnt, Brexit wäre "unumkehrbar"

samedi 18 juin 2016

Großbritanniens Premier David Cameron

Großbritanniens Premier David Cameron

Die Pause ist vorbei: Nach dem Mord an Jo Cox beginnt wieder der Brexit-Wahlkampf. Premier Cameron warnte die Briten: Es gebe keine Chance, das Votum hinterher zu korrigieren.

Vier Tage vor dem Brexit-Referendum scheinen die EU-Befürworter in Großbritannien wieder Aufwind zu haben: Laut einer Umfrage des Instituts Survation für die Sonntagszeitung "The Mail On Sunday" wollen 45 Prozent für den EU-Verbleib des Königreichs stimmen und 42 Prozent für den Ausstieg.

Die Umfrage wurde am Freitag und Samstag vorgenommen und ist damit die erste, die die Stimmung nach dem tödlichen Attentat auf die Labour-Abgeordnete Jo Cox am Donnerstag erhob. Bei der vorherigen Erhebung des Instituts hatte das Brexit-Lager noch mit 45 zu 42 Prozent in Führung gelegen.

Die Website What UK Thinks ermittelt einen Durchschnittswert der letzten sechs veröffentlichten Umfragen. Hatte dieser am Donnerstag die EU-Gegner noch mit vier Punkten in Führung gesehen, so lagen am Sonntag beide Lager wieder bei 50 Prozent.

"Unumkehrbare Entscheidung"

Drei Tage ruhte nach dem Attentat auf Jo Cox der Brexit-Wahlkampf. Am Sonntag nahmen britische Spitzenpolitiker die Kampagne wieder auf. Premier David Cameron sagte der "Sunday Times", dass er keine Möglichkeit einer Rückkehr seines Landes in die EU sehe, sollten die Wähler mehrheitlich für einen Austritt aus der Staatengemeinschaft stimmen. Es werde keine zweite Chance geben, über die Rolle Großbritanniens in der EU zu entscheiden. "Das ist eine unumkehrbare Entscheidung mit sehr schlechten Konsequenzen für die britische Wirtschaft", sagte Cameron.

Am Abend stellt Cameron sich im BBC-Fernsehen Fragen von Zuschauern. Auch Justizminister Michael Gove, ein Austritts-Wortführer, tritt öffentlich auf.

Mit Spannung wird erwartet, ob die Wortführer beider Lager ihren Ton im Wahlkampf mäßigen. Kritiker hatten moniert, die Debatte sei zuletzt immer giftiger geführt worden. Sowohl Cameron als auch Labour-Oppositionschef Jeremy Corbyn plädierten nach dem Attentat dafür, Hass und Intoleranz in der Politik zu überwinden.

Cameron bekräftigte, dass er auch am Falle eines Brexit nicht zurücktreten wolle. "Ich mache einfach weiter mit dem Job", sagte er. Er habe ein klares Mandat der Wähler. "Es wird kein Urteil über mich sein, wie auch immer der Ausgang ist."

Die Wahlempfehlungen der Zeitungen

Die großen Sonntagszeitungen gaben ihre Wahlempfehlung ab: Die "Sunday Times" empfiehlt ihren Lesern in einem Leitartikel, zunächst für einen Austritt zu stimmen. So solle der Druck erhöht werden, um eine tiefergehende Reform der EU zu erzielen. Diese würde es den Briten dann leichter machen, nach einem zweiten Referendum letztendlich doch in der Gemeinschaft zu bleiben. Die Zeitung greift damit einen Vorschlag des ehemaligen Londoner Bürgermeisters Boris Johnson auf, einem der prominentesten Verfechter eines Brexit.

Ebenfalls für den Brexit sprach sich der konservative "Sunday Telegraph" aus. Die rechtskonservative "Mail on Sunday" hingegen legt überraschend ihren Lesern nahe, für einen Verbleib in der EU zu stimmen. Auch der linke "Observer" empfiehlt ein Ja zur EU.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag von "Bild am Sonntag" würden es 58 Prozent der Deutschen bedauern, wenn die Briten austräten. 30 Prozent wäre das egal und nur 7 Prozent würden einen Brexit begrüßen.

Der Internationale Währungsfonds IWF hatte am Freitag erneut vor einem EU-Austritt Großbritanniens gewarnt. Im Fall eines Brexit könnte die britische Wirtschaftsleistung langfristig um bis zu 4,5 Prozentpunkte niedriger liegen als bei einem Verbleib in der EU. Für 2017 sehen die Szenarien in einer IWF-Analyse sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung vor, sollten die Briten austreten.

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Remis im Spiel Portugal - Österreich: Ronaldo verschießt Elfmeter

Portugal vs. Österreich: Ein Verlierer und ein Held

Auch im zweiten Spiel der EM konnte Portugal nicht gewinnen. Cristiano Ronaldo vergab kurz vor Schluss einen Foulelfmeter gegen Österreich. Beide Teams haben noch Chancen aufs Achtelfinale.

Trotz drückender Überlegenheit ist Portugal auch in seinem zweiten Spiel in der EM-Gruppe F nicht über ein Unentschieden hinausgekommen. Im Pariser Prinzenpark trennten sich die Portugiesen von Österreich 0:0. Cristiano Ronaldo schoss einen Foulelfmeter gegen den Pfosten. In der Tabelle liegt Portugal damit auf Platz drei hinter Ungarn und Island. Österreich ist Letzter, kann sich aber auch noch fürs Achtelfinale qualifizieren.

Österreichs Trainer Marcel Koller musste den gesperrten Abwehrchef Aleksandar Dragovic ersetzen und brachte Sebastian Prödl ins Spiel. Für den verletzten Zlatko Junuzovic rückte David Alaba ins offensive Mittelfeld, Stefan Ilsanker spielte dafür neben Julian Baumgartlinger vor der Abwehr.

Österreich bekam die erste gute Chance des Spiels nach nur vier Minuten, als Martin Harnik einen Kopfball nach Flanke von Marcel Sabitzer aus wenigen Metern am Tor vorbeisetzte. Anschließend spielte aber fast nur noch Portugal. Nanis Rechtsschuss aus dem Strafraum wurde von Robert Almer im österreichischen Tor pariert (13. Minute).

Zahlreiche Chancen für Ronaldo

Eine noch bessere Chance hatte Cristiano Ronaldo. Nach einem Doppelpass zwischen Raphael Guerreiro und Ricardo Quaresma platzierte er seine Direktabnahme knapp neben dem Tor (23.). Nach einer halben Stunde köpfte Nani den Ball nach einer kurz ausgeführten Ecke und Flanke von André Gomes an den Pfosten. Kurz vor der Pause hätte jedoch Österreich fast den Führungstreffer erzielt. David Alaba war von Pepe an der rechten Strafraumgrenze gefoult worden und schlug selbst den Freistoß vors Tor. Vierinha klärte mit dem Kopf auf der Torlinie vor dem einschussbereiten Harnik (41.).

Nach Wiederanpfiff prüfte Ilsanker Portugals Keeper Rui Patrício mit einem Distanzschuss (46.), aber dann war wieder Portugal dem Tor näher: Zweimal innerhalb von zwei Minuten erzwang Ronaldo Glanzparaden von Almer. Erst wehrte der Schlussmann einen Distanzschuss zur Ecke ab. Nach dem Eckstoß hielt er dann auch noch einen Kopfball des Superstars.

In der 78. Minute holte Ronaldo einen Foulelfmeter heraus, als er vor dem Tor von Martin Hinteregger umgerissen wurde. Er selbst schoss den Strafstoß dann aber gegen den linken Pfosten. Fünf Minuten vor dem Ende köpfte Ronaldo den Ball dann doch noch ins Tor. Schiedsrichter Roberto Rizzoli erkannte den Treffer aber wegen einer Abseitsstellung zu Recht nicht an.

Portugal - Österreich 0:0

Portugal: Rui Patrício - Vierinha, Pepe, Ricardo Carvalho, Guerreiro - Quaresma (71. Joao Mário), William Carvalho, Moutinho, Gomes (83. Eder) - Nani (89. Rafa), Ronaldo.

Österreich: Almer - Klein, Prödl, Hinteregger, Fuchs - Ilsanker (87. Wimmer), Baumgartlinger - Sabitzer (85. Hinterseer), Alaba (65. Schöpf), Arnautovic - Harnik.

Gelbe Karten: Quaresma, Pepe / Harnik, Fuchs, Hinteregger, Schöpf

Schiedsrichter: Rizzoli

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Istanbul: Erdogan will Gezi-Park-Projekt doch noch durchsetzen

Gezi-Park am Taksim-Platz

Gezi-Park am Taksim-Platz

An den Plänen hatten sich Massenproteste im ganzen Land entzündet: Der damalige türkische Ministerpräsident Erdogan wollte im Gezi-Park eine osmanische Kaserne nachbauen. Jetzt startet er einen neuen Anlauf.

Vor drei Jahren hatte es heftige Proteste gegeben - trotzdem will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein umstrittenes Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park neu beleben.

"Wir werden dort dieses historische Gebäude bauen", kündigte Erdogan bei einem öffentlichen Auftritt in der Millionenmetropole an. Es gelte, sich diesem Projekt "mit Mut" zu widmen, sagte er.

Erdogan spielte damit auf seine Pläne vor drei Jahren an, auf dem Gelände des kleinen Parks am Taksim-Platz den Nachbau eines osmanisches Kasernengebäudes zu errichten. Darin sollte unter anderem ein Einkaufszentrum untergebracht werden.

Landesweite Unruhen

Die Pläne hatten im Sommer 2013 wochenlange Unruhen im ganzen Land ausgelöst, bei denen mindestens sieben Menschen starben. Mehrere hundert Protestierer hatten zu verhindern versucht, dass Bäume gefällt und Grünflächen beseitigt werden.

Demonstration gegen die Räumung des Gezi-Parks 2013

Demonstration gegen die Räumung des Gezi-Parks 2013

Die Demonstrationen richteten sich dann schnell vor allem gegen den autoritären Regierungsstil Erdogans, der damals noch Ministerpräsident war. Im Spätsommer 2013 ebbten die Massendemonstrationen ab. Der Park ist seitdem ein Symbol der türkischen Bürgerrechtsbewegung. Erdogan wurde im folgenden Sommer zum Präsidenten gewählt.

Nach den blutigen Unruhen wurden die Pläne für den Nachbau zunächst nicht weiterverfolgt. Doch im vergangenen Juli hob der türkische Verwaltungsgerichtshof alle vorherigen Gerichtsurteile auf, mit denen das Bauprojekt gestoppt worden war. Auf dem Taksim-Platz sind inzwischen alle Kundgebungen verboten und werden systematisch von der Polizei aufgelöst.

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Nach Ausschluss der Leichtathleten: Gesamtes russisches Olympia-Team soll auf den Prüfstand

War der Ausschluss der russischen Leichtathleten von den Spielen in Rio erst der Anfang? Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE stehen beim Olympiagipfel in Lausanne noch weitergehende Maßnahmen zur Debatte.

Der Olympische Gedanke bröckelt
imago/Ralph Peters

Der Olympische Gedanke bröckelt

Es wäre die nächste historische Entscheidung: Nach dem Ausschluss der russischen Leichtathleten von den Olympischen Sommerspielen in Rio könnte es noch weitere russische Sportverbände oder gar das gesamte russischen NOK treffen.

Bei einer Telefonkonferenz hat das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Sonnabend den Beschluss des Councils des Weltverbandes der Leichtathleten (IAAF) vollumfänglich begrüßt, die Sperre des dopingverseuchten russischen Verbandes aufrecht zu erhalten.

Wann geht es weiter?

  • Für den 21. Juni hat IOC-Präsident Thomas Bach zum so genannten Olympic Summit nach Lausanne geladen. Teilnehmer dieses Meetings erklärten SPIEGEL ONLINE, im Mittelpunkt des Olympiagipfels werde, so ihre Erwartung, die Frage stehen, ob das russische NOK komplett oder zumindest weitere Sportarten auszuschließen seien. Die Agenda legt allerdings der IOC-Präsident fest, der sich, davon gehen die hohen Sportfunktionäre aus, zuvor mit Russlands Präsident Wladimir Putin beraten wird. Bach und Putin sind sich geradezu freundschaftlich verbunden. Putin hat 2013 die Inthronisierung Bachs im IOC unterstützt und am Freitag den IAAF-Bann Russlands scharf kritisiert.

Welche Funktionäre verhandeln über weitere Maßnahmen?

  • Der Olympic Summit in Lausanne hat keinerlei Beschlussrecht und wird im IOC-Grundgesetz, der Olympischen Charta, nicht einmal erwähnt. Bach hat diese Treffen im Herbst 2013 nach seiner Amtsübernahme eingeführt und legt die bislang wechselnde Teilnehmerschaft selbst fest. Neben einigen Top-Vertretern des IOC, etwa die vier Vizepräsidenten sowie die Athletensprecherin Claudia Bokel (Deutschland), sind stets auch die Präsidenten der Vereinigungen aller Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und der Dachorganisationen der olympischen Sportverbände dabei, also beispielsweise Bachs Wahlhelfer Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah aus Kuwait.
  • Stammgäste sind zudem die NOK-Präsidenten aus den USA (Larry Probst) und aus Russland (Alexander Schukow). Beide sind IOC-Mitglieder. Da die Mitwirkung des russischen NOK am staatlich orchestrierten Doping hinreichend belegt ist, steht Schukow, NOK-Präsident von Wladimir Putins Gnaden, besonders unter Druck. Das von Schukow geführte NOK brandmarkte russische Whistleblower wie das Ehepaar Stepanow, dem das wohl größte Verdienst bei der Aufklärung des Staatsdopingsystems zukommt , als Vaterlandsverräter. Schukow ist Präsidiumsmitglied in Putins Partei Vereinigtes Russland und stellvertretender Vorsitzender der Duma. Er wurde 2010 nach dem desaströsen Abschneiden Russlands bei den Winterspielen in Vancouver installiert - vier Jahre später belegte Russland Rang eins der Nationenwertung bei den Heimspielen in Sotschi.

Wie lauten die Vorwürfe?

  • Gemäß Aussagen des langjährigen Dopinglaborchefs Grigori Rodschenkow wurden unter Mitwirkung des Sportministeriums und des Geheimdienstes FSB zahlreiche Dopingproben ausgetauscht und manipuliert, darunter sollen sich fünfzehn gedopte russische Medaillengewinner befinden. Rodschenkow will auf Anordnung des Sportministeriums einst 1400 Dopingproben vernichtet haben. In einem jüngsten Berichts der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada werden zudem 736 verweigerte und anderweitig verhinderte Dopingtests bei russischen Sportlern allein zwischen Februar und Mai 2016 aufgeführt.

Wer ist mit den Ermittlungen befasst?

  • Die spektakulären Manipulationen, die weit über das Dopingsystem in der Leichtathletik hinausreichen und dem Kerngeschäft des IOC, den Olympischen Spielen, schweren Schaden zufügen, stehen im Mittelpunkt der Arbeit des kanadischen Jura-Professors und Anwaltes Richard McLaren aus London/Ontario. McLaren ermittelt im Auftrag der Wada, die selbst schwer unter Druck geraten ist, und will seinen Bericht am 15. Juli vorlegen. Auf Antrag der IAAF-Taskforce hat er vorab einige Informationen zur Verfügung gestellt und bestätigt, dass auf Anordnung des russischen Sportministeriums während der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau Dopingproben manipuliert und positive Tests vernichtet wurden.

Warum sollte das bei den vielen anderen Weltmeisterschaften der vergangenen Jahre in Russland anders gewesen sein? Russland hat seit 2010, seit dem Amtsantritt des NOK-Präsidenten Schukow nicht nur die Winterspiele, die Paralympics und die Weltstudentenspiele (Universiade) ausgetragen, sondern 18 Weltmeisterschaften in dreizehn olympischen Sportarten, darunter Schwimmen und Leichtathletik. Alles steht unter akutem Manipulationsverdacht. Wada-Sonderermittler McLaren wird auf diese Sportarten und die Rolle der nationalen und internationalen Verbände eingehen müssen.

IOC-Präsident Bach weiß um die Gefahren des McLaren-Berichts. Der Kanadier legt sein Papier zunächst dem schwer in Erklärungsnot geratenen Wada-Präsidenten und IOC-Vize Craig Reedie vor. Ob der Brite, der gemäß eines enthüllten Email-Austausches mit dem russischen Sportministerium kollaborierte, es wagt, in dieser einzigartigen Situation den McLaren-Report zu schönen? Ob McLaren eine Manipulation hinnehmen würde?

Mit Rodschenkow hat McLaren bereits im vergangenen Jahr viele Stunden gesprochen und von dem Russen vorgebrachte Belege studiert. McLaren gehörte damals neben seinem Landsmann und IOC-Doyen Richard Pound und dem deutschen Kriminalisten Gunter Younger der Wada-Taskforce an, deren erschütternder Bericht das Staatsdoping belegte und im November 2015 zur Sperre des russischen Leichtathletikverbandes führte. "Dieser Bericht", sagte McLaren damals, "wird den Sport grundlegend verändern." Er sagte aber auch: Die Leichtathletik ist nicht die einzige Sportart, "die das Problem des orchestrierten Dopings hat" - und Russland nicht das einzige Land. Derzeit äußert sich McLaren nicht.

Müssen auch andere Länder zittern?

  • Auf dem Olympic Summit in Lausanne wird es nicht nur um Russland gehen. Neben Russland hat die Wada derzeit Spanien, Mexiko und Kenia für "non-compliant" erklärt, also nicht konform mit dem Welt-Anti-Doping-Regelwerk. Polen steht auf der Watch-List unter besonderer Beobachtung, weitere neun Nationen waren in letzter Zeit non-compliant, wurden aber von der Wada inzwischen wieder akzeptiert: Belgien, Griechenland, Olympiagastgeber Brasilien, Frankreich, Israel, Argentinien, die Ukraine, Andorra und Bolivien.

Gemäß Olympischer Charta wäre das IOC in der Lage, all jene NOK nicht zu Olympischen Spielen zuzulassen, die gegen den Wada-Code verstoßen. Auch den olympischen Sportverbänden, in Rio stehen 28 im Programm, kann das IOC die Zulassung entziehen. Mit einem Dutzend dieser 28 Föderationen, die teilweise keine Dopingkontrollsysteme etabliert hatten und denen andere schwere Mängel bescheinigt wurden, hat die Wada in den vergangenen Monaten bilateral verhandelt.

Bislang wurde nur eines dieser Verhandlungsprotokolle öffentlich, das mit dem Boxverband AIBA. Betroffen sein sollen aber auch Taekwondo, Ringen, Judo und die neben der Leichtathletik zweite große olympische Kernsportart: Schwimmen.

Neue Enthüllungen darüber sind garantiert.

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Razzien in Belgien: Polizei inhaftiert drei Terrorverdächtige

Polizisten durchsuchen den Rucksack eines Mannes am Hauptbahnhof von Antwerpen

Polizisten durchsuchen den Rucksack eines Mannes am Hauptbahnhof von Antwerpen

Sie sollen Anschläge auf Fußballfans geplant haben: Bei einer groß angelegten Razzia hat die belgische Polizei zwölf Verdächtige festgenommen. Drei von ihnen bleiben in Haft.

Die Behörden in Belgien haben nach einer großen Anti-Terror-Aktion mit Dutzenden Hausdurchsuchungen drei Verdächtige in Haft genommen. Den belgischen Staatsbürgern werde versuchter "terroristischer" Mord sowie die Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Abend in Brüssel mit.

Die Männer im Alter von 27, 29 und 40 Jahren waren in der Nacht auf Samstag bei großangelegten Polizeiaktionen im Land gefasst worden. Neun weitere festgenommene Verdächtige wurden nach Verhören wieder freigelassen.

Insgesamt seien 40 Menschen vernommen worden. Ermittlungsergebnisse hätten ein "unmittelbares Einschreiten" erfordert. Nähere Hintergründe gaben die Behörden zunächst nicht bekannt. Unbestätigten Medienberichten zufolge stand auch ein Fußball-Fan-Areal in Brüssel im Fokus.

Bei Anschlägen am Brüsseler Flughafen sowie in einer Metrostation in der Innenstadt hatten Selbstmordattentäter am 22. März 32 Menschen mit in den Tod gerissen.

Terrorwarnstufe wird nicht erhöht

Bei den Razzien in der Nacht zu Samstag habe es keine Zwischenfälle gegeben, hieß es weiter von den Behörden. Ob belastendes Material sichergestellt wurde, wurde zunächst nicht bekannt. Waffen oder Sprengstoff seien jedoch nicht gefunden worden.

Der Nationale Sicherheitsrat entschied, die Terrorwarnstufe im Land zunächst unverändert auf der zweithöchsten Stufe zu belassen. Die Terrorwarnstufe 3 bedeutet, dass eine Terrorattacke möglich und wahrscheinlich ist. Die höchste Stufe ist 4.

"Das Signal das wir damit senden, ist ein beruhigendes", sagte Premierminister Charles Michel dem Sender RTBF zufolge. Einige Minister, darunter auch Michel, waren demnach zuvor unter besonderen Schutz gestellt worden.

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Warschau: Massendemo gegen Verschärfung von Abtreibungsgesetz

Demonstranten in Warschau

Demonstranten in Warschau

Polen hat bereits ein sehr restriktives Abtreibungsgesetz. Doch die rechtskonservative Regierung will es nochmals verschärfen. Tausende haben jetzt in Warschau dagegen Stellung bezogen.

"Ich existiere, ich denke, ich entscheide": Das haben Tausende Menschen am Samstag in Warschau skandiert. Sie demonstrierten in der polnischen Hauptstadt gegen eine geplante Verschärfung des Abtreibungsgesetzes. Die meisten Teilnehmer waren Frauen, doch auch viele Männer hatten sich dem Protestzug angeschlossen.

Das polnische Parlament diskutiert demnächst über einen neuen Gesetzentwurf. Regierungschefin Beata Szydlo sagte bereits, sie persönlich unterstütze ein totales Abtreibungsverbot. Auch die katholische Kirche in Polen unterstützt den Entwurf mehrerer abtreibungsfeindlicher Organisationen für eine Verschärfung des Abtreibungsrechts.

Demnach soll nur noch die Lebensgefahr für die Schwangere als Abtreibungsgrund gelten. Statt mit bisher zwei Jahren soll illegale Abtreibung mit fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Dabei ist das in Polen geltende Abtreibungsrecht schon sehr restriktiv. Es erlaubt Schwangerschaftsabbrüche nur in drei Fällen: Bei einer Bedrohung für Leib und Leben der Mutter, einer festgestellten irreversiblen schweren Schädigung des Embryos sowie bei einer durch Vergewaltigung oder Inzest herbeigeführten Schwangerschaft.

"Wir wollen Respekt"

Die Bürgerinitiative, die ein ein totales Abtreibungsverbot fordert, hat innerhalb von drei Monaten mehr als 100.000 Unterschriften gesammelt. Damit kann sie das Bürgerbegehren ins Parlament einbringen.

Ihre Gegner wollen mit einer eigenen Petition ebenfalls 100.000 Unterschriften für eine Liberalisierung der Abtreibungsregelungen erreichen. Zuletzt hatten sie prominente Unterstützung bekommen: Die ehemaligen polnischen First Ladies Danuta Walesa, Jolanta Kwasniewska und Anna Komorowska warnten in einem gemeinsamen offenen Brief vor einer Verschärfung der Abtreibungsregeln.

Der "Marsch der Würde" am Samstag wurde von der Gruppe Dziewuchy Dziewuchom (Frauen für Frauen) organisiert, die sich auf Facebook formiert hat und inzwischen mehr als 100.000 Mitglieder zählt. "Frauen stellen die Hälfte dieses Landes. Wir wollen Respekt, wir wollen, dass unsere Rechte respektiert werden", sagte Bozena Przyluska, eine der Organisatorinnen der Demonstration.

In Polen gibt es derzeit offiziell bis zu 1800 Abtreibungen pro Jahr. Zu illegalen Abtreibungen oder Fällen, in denen Polinnen für den Eingriff nach Deutschland, Österreich oder in die Slowakei reisen, gibt es keine offiziellen Statistiken. Frauenrechtsorganisationen schätzen, dass es jährlich 100.000 bis 150.000 solcher Fälle gibt.

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EM 2016: Ungarn rettet Remis - Island verpasst ersten Sieg knapp

Adam Nagy (l.)
Getty Images

Adam Nagy (l.)

Ungarn und Island haben sich im Duell der Außenseiter in Gruppe F unentschieden getrennt. Das 1:1 fiel erst in der Schlussphase. Ungarn hat nun beste Aussichten auf das Erreichen der K.o.-Phase.

Island hat eine weitere Überraschung nur knapp verpasst: Das Team von Trainer Lars Lagerbäck hat gegen Ungarn in der Schlussphase noch den Ausgleich hinnehmen müssen. Der erste Treffer resultierte aus einem umstrittenen Foulelfmeter, den Gylfi Sigurdsson verwandelte (40. Minute). Kurz vor dem Ende sorgte ein isländisches Eigentor für das 1:1 (87.). Mit vier Punkten hat Ungarn nun gute Chancen auf das Erreichen des Achtelfinals.

Nach dem überraschenden Remis gegen Portugal stellte Lagerbäck sein Team nicht um. Bei den Ungarn, die ihr erstes Spiel gegen Österreich 2:0 gewonnen hatten, begann Torschütze Zoltan Stieber (HSV). Auf der Bank musste hingegen Ádám Szalai Platz nehmen. Im Tor startete wie erwartet der 40-jährige Gábor Király.

Bevor es losging kam es erneut zu Ausschreitungen auf der Tribüne. Ungarische Fans prügelten sich mit Ordnern und Polizisten. Die Sicherheitskräfte mussten Tränengas und Schlagstöcke einsetzen, und konnten die Situation vor dem Abpfiff aber beruhigen.

Die Anfangsphase war von Nervosität geprägt. Beiden Teams war anzumerken, dass sie in erster Linie eigene Fehler vermeiden wollten. In der zehnten Minute wurde Island nach einem Einwurf erstmals gefährlich. Birkir Bjanason kam aus kurzer Distanz zum Kopfball und setzte den Ball knapp über das Tor. Auch Ungarn konnte aus dem Spiel heraus zunächst keine Gefahr entwickeln. Dzsudzsak versuchte es nach einem Stieber-Zuspiel aus der Distanz, doch sein Schuss wurde von einem isländischen Bein abgeblockt (19.).

In der Folge erhöhte Island den Druck. Zunächst scheiterte Bjarnason nach einem Fehler von Tamas Kadar freistehend an Király (31.). Doch wenig später war es der ungarische Torhüter, der einen Elfmeter mitverursachte. Nach einem Eckball ließ er den Ball aus seinen Händen gleiten. Anschließend ließ sich Kadar zu einem Foul an Islands Kapitän Aron Gunnarsson hinreißen. Schiedsrichter Sergei Karasev entschied auf Strafstoß, eine umstrittene Entscheidung des russischen Unparteiischen. Gylfi Sigurdsson von Swansea City verwandelte souverän und brachte sein Team kurz vor der Halbzeit in Führung (40.).

Ausgleich in der Schlussphase

Kurz nach Wiederbeginn übernahm Ungarn die Kontrolle über das Spiel. Echte Chancen konnte sich die Mannschaft aber nicht erspielen. Zahlreiche Flanken von Adam Lang und Kadar fanden in der Mitte keinen Abnehmer. Auch der Schuss von Laszlo Kleinheisler ging deutlich über das Tor des Gegners. Auf der anderen Seite hätte Kolbeinn Sigthorsson im direkten Gegenzug beinahe für die Entscheidung gesorgt. Der Stürmer des FC Nantes köpfte den Ball wenige Zentimeter neben das Gehäuse (60.).

Ungarn agierte weiterhin offensiver als in der ersten Hälfte, ließ jedoch eine Spielidee vermissen. Gefährlich wurde es nur nach Freistößen. Zunächst versuchte es Dzsudzsak (66.), wenig später Kleinheisler (76.). Doch Hannes Halldorsson konnte jeweils parieren. Island setzte nur noch auf Konter und war bemüht, den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten - ohne Erfolg.

In der 87. Minute sorgte ein Eigentor von Birkir Saevarsson für den späten Ausgleich. Vorausgegangen war eine Hereingabe von Nemanja Nikolic. Wenige Sekunden vor Schluss hätte es erneut Elfmeter für Island geben können. Doch Karasev entschied auf Freistoß. Der Schuss von Sigurdsson brachte jedoch keine Gefahr ein (90.+4).

Island - Ungarn 1:1 (1:0)
1:0 Sigurdsson (40., Foulelfmeter)
1:1 Eigentor Saeversson (87.)

Schiedsrichter: Sergei Karasev (Russland)
Gelbe Karten: Gudmundsson

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