Umstrittene Immobilienkurse: Die Psychotricks der Trump University

mercredi 1 juin 2016

Donald Trump

Donald Trump

Neu veröffentlichte Dokumente zeigen: Die Trump University warb Studenten mit aggressiven Psychotricks an. Um Inhalte sei es dabei gar nicht gegangen.

Mit aggressiven Methoden sollen Mitarbeiter der umstrittenen Trump University neue Studenten angeworben haben. In einer Anleitung wurde ihnen detailliert erklärt, wie sie Bewerber emotional unter Druck setzen, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

An der Trump University soll der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump von 2005 bis 2011 Seminare zum Erfolg im Immobiliengeschäft angeboten und dabei mehr als 5000 Studenten um insgesamt 40 Millionen Dollar betrogen haben.

Der Fall liegt beim höchsten Gericht des US-Bundesstaats New York, das nun entscheiden muss, ob dem Milliardär der Prozess gemacht wird. Außerdem haben enttäuschte Studenten eine Sammelklage beim Bundesbezirksgericht in San Diego eingereicht.

Am Dienstag gab der U.S. District Court auf Antrag der "Washington Post" vertrauliche Dokumente heraus, die mehr über die Anwerbepraktiken der Trump University verraten. In einem Handbuch von 2009 heißt es demnach: "Ihr verkauft keine Produkte, Leistungen oder Lösungen - ihr verkauft Gefühle."

Die Hauptzielgruppe seien Männer zwischen 40 und 54 Jahren mit Familien und einem jährlichen Haushaltseinkommen von mindestens 90.000 Dollar und Hochschulausbildung. Interessenten sollten mal umschmeichelt, mal bedrängt werden.

Man könne Unterhaltungen mit etwas Smalltalk anfangen, heißt es in dem Handbuch. "Aber lasst sie nicht die Kontrolle über das Gespräch erlangen." Mitarbeiter der Trump University sollten "sehr aggressiv" auftreten, um potenzielle Kunden aus ihrer Komfortzone zu drängen.

1500 Dollar für drei Tage

Wenn sich die Gesprächspartner über den Preis beschwerten, sollten Mitarbeiter sie daran erinnern, dass Trump der Beste sei und dass sie doch ihre Ersparnisse anzapfen oder anderes "Startkapital" auftreiben könnten. "Wenn sie wirklich an euch und euer Produkt glauben, treiben sie das Geld auf", heißt es in dem Handbuch.

Ein dreitägiger Einstiegskurs kostete rund 1500 Dollar, ein "Trump Gold Elite Package" gab es für 35.000 Euro.

Die "Washington Post" zitiert einen ehemaligen Mitarbeiter der Trump University, der nach einigen Monaten wieder ausgestiegen sei, weil er die "irreführenden, betrügerischen und unehrlichen" Praktiken nicht länger unterstützen wollte. Er sei von der Trump University zurechtgewiesen worden, weil er einem Ehepaar kein 35.000-Dollar-Paket aufschwatzen wollte, das sich das eigentlich nicht leisten konnte.

Trump habe die Marketingstrategie und einzelne Anzeigen für die Trump University persönlich abgezeichnet, berichtet die Zeitung.

Der Republikaner weist die Anschuldigungen zurück. Er hat sich wiederholt damit gebrüstet, dass 98 Prozent der Teilnehmer die Trump University für "exzellent" befunden hätten. In der "New York Times" hatten ehemalige Studenten jedoch berichtet, dass sie zu positivem Feedback gedrängt worden seien.

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EgyptAir-Unglück: Suchtrupps orten offenbar Signale von Flugschreiber

Suche nach EgyptAir-Wrack

Suche nach EgyptAir-Wrack

Bei der Suche nach dem verunglückten EgyptAir-Flugzeug gibt es offenbar eine heiße Spur. Ein französisches Spezialschiff hat wahrscheinlich eine Black Box im Mittelmeer entdeckt.

Ein französisches Suchschiff im Mittelmeer hat Signale empfangen, die "wahrscheinlich" von einem der Flugschreiber der abgestürzten EgyptAir-Passagiermaschine stammen. Das teilten die Ermittler in Kairo mit. Eine Suchaktion sei eingeleitet worden. Das Spezialboot "Laplace" habe die Zeichen vom Meeresgrund des Suchgebietes empfangen, hieß es.

Der Airbus A320 war am 19. Mai mit 66 Personen an Bord auf dem Weg von Paris nach Kairo über dem östlichen Mittelmeer abgestürzt. Die Ursache für das Unglück ist nach wie vor unklar. Mit Unterstützung von Griechenland und Frankreich hatte das ägyptische Militär erste Wrackteile rund 290 Kilometer vor der Küste Ägyptens geortet.

Das mit Unterwassertechnik ausgestattete Boot "Laplace" hat drei spezielle Detektoren an Bord, die Signale von Flugschreibern aufnehmen und lokalisieren könnten. Es war vergangene Woche im östlichen Mittelmeer eingetroffen.

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Hetzseite Anonymous.Kollektiv: Staatsanwaltschaft fahndet nach mutmaßlichem Betreiber

Facebook-Seite von Anonymous.Kollektiv: Verschwörungstheorien statt Anonymous-Informationen

Facebook-Seite von Anonymous.Kollektiv: Verschwörungstheorien statt Anonymous-Informationen

Anonymous.Kollektiv zählte zu den größten Hetzseiten auf Facebook, seit kurzem jedoch ist die Seite offline. Ihre Postings beschäftigen nun die Staatsanwaltschaft Erfurt.

Im Zusammenhang mit der umstrittenen, mittlerweile vom Netz genommenen Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv wird derzeit nach einem Erfurter gefahndet. Dabei könnte es sich um einen Unterstützer, laut Medienberichten vielleicht sogar um den Betreiber der Seite handeln.

Hannes Grünseisen von der Staatsanwaltschaft Erfurt bestätigte SPIEGEL ONLINE am Mittwoch, dass nach einen Mann namens Mario Rönsch gefahndet werde - wegen des Verdachts auf Betrug, auf Volksverhetzung und auf öffentliche Aufforderung zu Straftaten, im Zusammenhang mit Internetseiten. Details zur Fahndung nannte Grünseisen nicht.

Hetze gegen Flüchtlinge - und "Compact"-Werbung

Anonymous.Kollektiv hatte auf Facebook unter der Flagge von Anonymous Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht, Russland glorifiziert, mit Pegida sympathisiert und gegen die angebliche "Lügenpresse" gewettert. Dabei wurde häufig auf Quellen wie das rechtspopulistische Magazin "Compact" verwiesen.

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Streit uüber Justizreform: EU-Kommission verschärft Verfahren gegen Polen

Frans Timmermans

Frans Timmermans

Polen und die EU-Kommission können sich nicht über die umstrittene Justizreform verständigen: Jetzt geht Brüssel härter gegen Warschau vor und will eine schriftliche Stellungnahme abgeben.

Die EU-Kommission hat im Streit um die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien in Polen den Druck erhöht. Sie kündigte am Mittwoch an, eine offizielle Stellungnahme an Warschau zu verschicken. Wird der Konflikt nicht gelöst, kann dies über weitere Etappen bis zu einem Stimmrechtsentzug für Polen in der EU führen. Der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, sagte aber, Ziel sei es weiter, eine Lösung zu finden.

Die EU-Kommission hatte im Falle Polens Mitte Januar erstmals überhaupt eine Überprüfung der Rechtsstaatlichkeit in einem Mitgliedstaat eingeleitet. Brüssel wirft Warschau vor, rechtswidrig die Ernennung mehrerer Verfassungsrichter rückgängig gemacht und Beschlüsse des Gerichts missachtet zu haben. Die Kommission kritisiert zudem die Änderung des Medienrechts, wodurch die Chefs der öffentlich-rechtlichen Sender künftig direkt von der Regierung ernannt oder abberufen werden können.

Timmermans sagte nun zu den Gesprächen laut polnischen Medien: "Uns ist es nicht gelungen, Lösungen zu finden." Nach der angekündigten formalen Stellungnahme der Kommission hat Warschau zwei Wochen Zeit für eine Reaktion. Nächste Stufe wäre dann eine Empfehlung Brüssels, die kritisierten Mängel abzustellen. Erfolgt auch das nicht, könnte die EU Sanktionen gegen Polen verhängen.

Der dreistufige Rechtsstaatsmechanismus war Anfang 2014 von der EU-Kommission eingeführt worden und wurde bisher noch nie angewendet. Die Behörde alleine könnte aber keine Sanktionen wie den Stimmrechtsentzug verhängen. Dazu müssten die anderen Mitgliedstaaten einstimmig feststellen, dass es in Polen einen "schwerwiegenden und anhaltenden Verstoß" gegen EU-Grundwerte gibt. Der Polen-Verbündete Ungarn hat bereits klar gemacht, dass er Sanktionen gegen Warschau nicht unterstützen würde.

Mehr in Kürze auf SPIEGEL ONLINE.

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Gotthard: Schweizer eröffnen längsten Eisenbahntunnel der Welt

Gotthard-Eröffnung: Ein Schweizer Weltrekord

Nach fast 17 Jahren Bauzeit haben die Schweizer den längsten Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. Am nördlichen und südlichen Ende fuhren gleichzeitig die ersten Züge in den Berg.

Der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz ist eröffnet. In der Eröffnungszeremonie fuhren gleichzeitig von beiden Enden die ersten Züge in den Tunnel. An Bord waren jeweils 500 Passagiere.

Zur Feier wurden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi erwartet.

"Wir bringen Völker und Volkswirtschaften zusammen", sagte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann laut Schweizer Fernsehen. Das Projekt zeige: "In der Schweiz und in Europa sind weiter epochale Leistungen machbar. Das 21. Jahrhundert kann auch ein europäisches sein."

Passagiere twitterten Fotos von der Fahrt durch den Tunnel:

Der rund 11 Milliarden Euro teure Gotthard-Basistunnel ist das Herzstück der "Neuen Eisenbahn-Alpentransversale". Mit diesem europäischen Großprojekt sollen weite Teile des Güterverkehrs zwischen dem Nordseehafen Rotterdam und Genua am Mittelmeer von der Straße auf die Schiene verlegt werden.

Mythos Gotthard-Tunnel

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Ex-Terroristen: RAF-Trio lebt möglicherweise in den Niederlanden

Alterssimulation des BKA: Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub, Daniela Klette

Alterssimulation des BKA: Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub, Daniela Klette

Die ehemaligen RAF-Terroristen Staub, Garweg und Klette halten sich möglicherweise in den Niederlanden auf. Ermittler gehen einem Bericht der "Zeit" zufolge einer heißen Spur nach.

Die Fahndung nach Ernst-Volker Staub, Burkhard Garweg und Daniela Klette läuft auch in den Niederlanden. Laut der Wochenzeitung "Zeit" vermuten die Ermittler dort einen möglichen Aufenthaltsort der ehemaligen RAF-Terroristen. Dafür spreche eine Handy-Ortung.

In der vergangenen Woche ließen die Behörden der Zeitung zufolge eine Fahndung nach dem Trio im niederländischen Fernsehen ausstrahlen. Auf der Webseite der niederländischen Polizei heißt es, es sei nicht sicher, dass sich das Trio im Land aufhalte. "Es kann aber sein, dass sie sich als Touristen in Ferienorten ausgeben."

Die Ermittler gehen nach SPIEGEL-Informationen davon aus, dass das RAF-Trio nicht nur Geldtransporter, sondern auch eine Reihe von Supermärkten in Norddeutschland ausraubte. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Die dabei erbeutete Gesamtsumme soll nach Berechnungen der Polizei etwa 380.000 Euro betragen. Auf auffällige Übereinstimmungen verschiedener Überfälle war ein Kriminalbeamter im niedersächsischen Northeim gestoßen.
Bearbeitete Fahndungsfotos, datiert auf das Jahr 2016: Die Bilder sollen Burkhard Garweg (links) und Ernst-Volker-Staub zeigen

Bearbeitete Fahndungsfotos, datiert auf das Jahr 2016: Die Bilder sollen Burkhard Garweg (links) und Ernst-Volker-Staub zeigen

In dem Bericht der "Zeit" heißt es nun, Staub, Klette und Garweg würden ihre Überfälle "unmittelbar vor und nach Sonn- und Feiertagen" durchführen und damit einem bestimmten Muster folgen.

Ermittler des LKA gehen davon aus, dass Klette, Staub und Garweg auch mindestens fünf weitere Überfälle auf Supermärkte in Norddeutschland begingen, und zwar in Stade, Elmshorn, Celle und im Raum Osnabrück. Auch ein Überfall auf einen Rewe-Markt im Mai in Hildesheim wird den Dreien zugerechnet. Die Fahnder stützen sich auf Indizien, sichere Beweise, dass die Ex-Terroristen auch diese Überfälle begingen, liegen nach Behördenangaben nicht vor.

Terror in Deutschland

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Ex-Terroristen: RAF-Trio lebt möglicherweise in den Niederlanden

Ziele, Parolen, Prozente: Rechtsnationale in Europa

01. Juni 2016, 09:54 Uhr

Rechtsnationale in Europa

Sie hetzen gegen Ausländer, gegen den Euro, gegen angebliche Bevormundung aus Brüssel und gegen offene Grenzen. Können die rechtsnationalistischen Parteien das vereinte Europa sprengen?

Fast überall in Europa gewinnen rechtsnationalistische Parteien Wahlen. Und sie wollen überall das Gleiche: Ausländer raus, Grenzen dichtmachen, weg mit dem Euro, manchmal fordern sie auch das Ende der Europäischen Union. Die Globalisierung bleibt draußen - das ist ihr zentrales Versprechen. In der Flüchtlingskrise hat diese Bewegung Zulauf bekommen. Längst werden die Parteien nicht mehr nur am Rand der Gesellschaft gewählt, sondern haben sich bis in ihre Mitte gefressen.

Klicken Sie auf die Länder oder unter der Karte auf den Weiter-Link.

Frankreich

Der rechtsnationale Front National (FN) wurde 1972 von Jean-Marie Le Pen mitgegründet. 2011 übernahm Tochter Marine Le Pen den FN-Vorsitz und modernisierte die Parteirhetorik. Statt antisemitischer Parolen stehen jetzt Terror, Überfremdung, Islamismus im Zentrum, verbunden mit einer "Rückeroberung der Souveränität" im Wirtschaftsbereich: Schutzzölle für die Landwirtschaft, finanzielle Unterstützung für den Mittelstand, die Rückkehr zur eigenen Währung, das Ende der von Deutschland erzwungenen Sparpolitik. Die Mindestlöhne sollen erhöht, das Renteneintrittsalter wieder auf 60 gesenkt werden.

Bei der Europawahl 2014 bekam der FN erstmals (mit knapp 25 Prozent) die meisten Stimmen. Bei den Regionalwahlen im Dezember 2015 brachten es die Rechtsnationalisten im ersten Wahlgang auf 27,7 Prozent und wurden in sechs Regionen stärkste Kraft, verloren allerdings bei den Stichwahlen gegen den Schulterschluss der etablierten Parteien. Gleichwohl könnte Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 eine ernst zu nehmende Herausforderin werden.

Hans-Jürgen Schlamp

Italien

Neben der rechtsnationalen bis rechtsextremen Lega Nord geht in Italien die Bürgerbewegung MoVimento 5 Stelle (dt.: Fünf-Sterne-Bewegung) mit zum Teil ähnlichen Parolen auf Stimmenfang. Die Lega wurde 1989 als sezessionistische Nordpartei unter anderem von Umberto Bossi gegründet und von diesem dominiert, bis er nach einem Korruptionsskandal 2012 abtreten musste. Nachfolger Matteo Salvini räumte die alte "Freiheit für den Norden"-Lyrik beiseite, konzentriert seine Parolen gegen Moscheen, Roma-Siedlungen, das EU-"Ungeheuer" in Brüssel, ergänzt um Versprechen wie weniger Steuern, mehr Sicherheit, chemische Kastration für Kinderschänder und Vergewaltiger. Bei Umfragen votieren bis zu 15 Prozent der Italiener für die Lega. Damit ist sie, vor Berlusconis Forza Italia, die größte Partei im rechten Lager.

Nicht eindeutig rechts, eher politisch irrlichternd, ist die Protestbewegung des einstigen Komikers Beppe Grillo. Auch die macht Stimmung mit der Angst vor einer "biblischen", Krankheiten und Kriminalität einschleppenden Einwanderung nach Italien. Bis zu 28 Prozent würden laut Umfragen seine "Fünf Sterne" wählen. Damit läge er nur knapp hinter der Regierungspartei PD.

Hans-Jürgen Schlamp

Großbritannien

Die rechtspopulistische Partei Ukip wurde in den Neunzigerjahren gegründet - mit dem erklärten Ziel, Großbritannien aus der EU herauszuführen. Eine Idee, die derzeit die politische Debatte im Vereinigten Königreich dominiert. Am 23. Juni werden die Briten in einem Referendum über den Verbleib in der EU abstimmen. Lagen die EU-Befürworter zum Jahreswechsel in Umfragen noch vorn, deutet sich nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen an.

Entsprechend kann Parteichef Nigel Farage derzeit auftrumpfen: Er schürte beständig die Angst vor EU-Einwanderern. In der EU zu bleiben bedeute Masseneinwanderung, kritisierte Farage zuletzt. Der freie Visa-Zugang für Türken, der durch den EU-Deal mit Ankara zugesagt wird, sei "totaler Wahnsinn". Ohne diesen Druck von rechts hätte Premierminister David Cameron das Referendum kaum versprochen.

Abgesehen von diesem einen Thema baute Farage die Ukip zu einer breit aufgestellten Bewegung um, die ein Wirtschaftsprogramm aufweist und ihr Wahlmanifest von unabhängigen Experten prüfen lässt. Inzwischen ist sie eine Sammelpartei sowohl für enttäuschte Konservative als auch für Arbeiter und Angestellte, die früher Labour wählten und sich vor Billiglöhnern aus dem Rest Europas fürchten.

Ihre größten Erfolge feierte die Ukip bei Europawahlen, Farage ist seit 1999 Europaabgeordneter. Auch bei den Unterhauswahlen im vergangenen Jahr kamen die Rechtspopulisten auf knapp 13 Prozent.

Vera Kämper und Christoph Scheuermann

Polen

In Polen regiert die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) seit dem letzten Herbst allein und unangefochten. Sie hatte sowohl die Präsidentschaft- als auch die Parlamentswahl gewonnen. Obwohl er offiziell keine Staatsamt inne hat, steuert Parteigründer Jaroslaw Kaczynski die Politik der Regierung aus dem Hintergrund. Er ließ die wichtigsten Positionen bei den Geheimdiensten, in staatlichen Unternehmen und den staatlichen Medien mit PiS-Leuten besetzen. Das Verfassungsgericht hat er faktisch entmachtet. Sogar PiS-Befürworter sehen diese Schritte kritisch. Die Partei war vor allem wegen ihrer sozialen Versprechungen gewählt worden - und weil sich die Partei als Reformalternative zur arrogant und verbraucht wirkenden liberalen Bürgerplattform präsentierte.

Der Nationalismus hatte ein geringere Rolle für die Wähler gespielt - aber er ist nicht verschwunden: "Wir betrachten unsere Mitgliedschaft in der EU als dauerhaft, aber wir stimmen nicht in jeder Hinsicht mit der EU überein", sagte Jaroslaw Kaczynski erst kürzlich. Welchen außenpolitischen Kurs er konkret im Auge hat, ist unklar, das Verhältnis zu den Deutschen ist bisher noch nicht beschädigt. Sicher ist: PiS braucht die Milliarden aus Brüssel, um den strukturschwachen Osten des Landes konkurrenzfähig zu machen. Und: PiS will sich der Aufnahme von Flüchtlingen verweigern. Sie bringen - so glaubt Kaczynski - Krankheiten, Kriminalität und die Scharia nach Polen.

Jan Puhl

Tschechien

Im Prager Parlament sitzt keine rechtsnationalistische Partei - dafür aber Milos Zeman auf dem Hradschin. Der Präsident, einst ein Sozialdemokrat, hat sich in letzter Zeit mit fremdenfeindlichen Sprüchen profiliert: Hinter der hohen Zahl von Flüchtlingen vermutet er eine "organisierte Invasion", die Integration von Muslimen in die tschechische Gesellschaft sei nicht möglich, denn sie würden "Dieben die Hände abhacken" und "untreue Ehefrauen steinigen".

Zeman bedient mit diesen Sprüchen die Nachfrage nach einfachen, nationalistischen Parolen. Die Rechtsparteien "Morgenröte der direkten Demokratie" und "Block gegen den Islam" scheiterten an der Fünf-Prozenthürde. Denn unzufriedene Tschechen wählen mehrheitlich die seit 1989 kaum gewendeten Kommunisten. Die KP Böhmens und Mährens will aus der Nato und der EU austreten, wirbt für ein enges Verhältnis zu Putins Russland. Sie wurde bei den letzten Wahlen mit 15 Prozent drittstärkste Partei.

Jan Puhl

Slowakei

Die Mitte schmilzt ab. Wie auch in anderen europäischen Staaten wählen immer weniger Slowaken das Establishment. Bei der Wahl am 5. März schnitt die regierende sozialdemokratische Partei Smer-SD so schlecht ab, dass Regierungschef Robert Fico sich Koalitionspartner suchen musste. Er fand sie in der ungarischen Minderheitspartei - und in der rechtskonservativen Nationalpartei. Die hatte ebenso wie die radikal-nationalistische Partei Unsere Slowakei von dem Wahltrend profitieren können und acht Prozent der Stimmen ergattert.

In welche Richtung Ficos rechter Partner die Regierung drängt, ist noch nicht klar. Wie alle osteuropäischen Länder braucht auch die Slowakei die Zuschüsse der EU, um eine moderne Infrastruktur in ländlichen Regionen aufzubauen. Deshalb ist Fico daran interessiert, sein Land nicht zum Paria in der EU zu machen. Fundamentalopposition ist aber in der Flüchtlingsfrage zu erwarten. Schon im Wahlkampf hatte Fico geredet wie ein Rechtsnationalist, ein Beispiel: "Es besteht ein Zusammenhang zwischen Terror, sexuellen Übergriffen und der Zahl der Flüchtlinge in einem Land."

Jan Puhl

Norwegen

Die rechtspopulistische norwegische Fortschrittspartei (FrP) ist seit Langem ein Machtfaktor in dem reichen Fünf-Millionen-Einwohner-Land. Von 2005 an war die FrP acht Jahre lang zweitstärkste Kraft im Parlament. Seit 2013 sitzt die Partei zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit in der Regierung - und führt das Land zusammen mit den Konservativen von Ministerpräsidentin Erna Solberg. Dabei hatten die Rechtspopulisten im Vergleich zur vorherigen Wahl deutlich an Stimmen verloren. Zuletzt hat die Partei wieder an Zustimmung gewonnen. Unter der Führung der FrP-Politikerin Sylvi Listhaug, die seit Dezember 2015 den neu geschaffenen Posten der Einwanderungsministerin innehat und auf allen Kanälen ist, will die Regierung umfangreiche Asylrechtsverschärfungen durchsetzen.

Mit Agitation gegen Zuwanderer und Muslime macht die Partei seit den Achtzigerjahren zunehmend Politik - ihre Wurzeln hat die FrP in einer liberalistischen Strömung. In der Sozialpolitik kämpfen die norwegischen Rechtspopulisten für eine bessere Altersversorgung und dafür, dass die Milliarden aus den norwegischen Ölfonds schon der jetzigen Generation zugutekommen. Ein Großteil ihrer Wähler rekrutiert die Partei aus niedrigen Einkommensschichten, um die sie besonders mit den Sozialdemokraten konkurriert.

Anna Reimann

Dänemark

In Dänemark wurde die rechtspopulistische Dänische Volkspartei DF bei den Parlamentswahlen im Sommer 2015 überraschend stärkste bürgerliche Kraft im Parlament - und fuhr mit mehr als 21 Prozent das beste Ergebnis in ihrer Geschichte ein. In die Regierung wollte sie aber nicht und stützt nun stattdessen im Parlament die Minderheitsregierung des rechtsliberalen Premiers Lars Løkke Rasmussen. Seit Jahren hat die Volkspartei die anderen Parteien zu mehr Härte in der Asylpolitik getrieben - in der Flüchtlingskrise hat der DF-Vorsitzende Kristian Thulesen Dahl zuletzt für flächendeckende Kontrollen an der Grenze zu Deutschland plädiert - alle Flüchtlinge, die von dort weitereisen wollten, müssten aufgehalten werden. Thulesen Dahl, der 2012 der langjährigen DF-Chefin Pia Kjærsgaard nachfolgte, gilt als besonnener und legt ein größeres Gewicht auf Sozialpolitik. In diesem Politikbereich liegt die DF nach Einschätzung von Parteienforschern sogar links der Sozialdemokraten.

Der EU gegenüber ist die DF skeptisch und fordert weitreichende Reformen - im Fall eines Brexit müsse auch die dänische EU-Mitgliedschaft überdacht werden, verlautet es aus der Partei. In neuen Umfragen sehen die Dänen die DF deutlich in die politische Mitte gerückt. Mittlerweile sind kleine Parteien rechts der Volkspartei im Aufwind - in Meinungsumfragen hält sich die DF aber derzeit auf dem Niveau ihres Wahlsiegs vom letzten Sommer.

Anna Reimann

Schweden

In Schweden regieren - anders als in Norwegen und Dänemark - die Sozialdemokraten, und die rechtspopulistischen Schwedendemokraten, deren Parteigründer aus der Neonaziszene stammen, sind in der Opposition. Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2014 konnten die Rechtspopulisten ihre Stimmen auf knapp 13 Prozent mehr als verdoppeln und wurden damit drittstärkste Kraft. Gesellschaftspolitisch vertreten die Schwedendemokraten eine konservative Politik und sind für härtere Strafen bei Verbrechen. Die Partei fährt einen scharfen Kurs gegen Flüchtlinge. Aufsehen erregte im Herbst 2015 eine Aktion von Parteimitgliedern, die auf griechischen Inseln Flugzettel an Flüchtlinge verteilten und davor warnten, nach Schweden zu kommen.

Im Dezember 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, hat die Partei in Umfragen einen Rekordwert von 20 Prozent erreicht, seitdem sinken die Werte wieder. Beobachter erklärten sich das auch damit, dass die sozialdemokratische Regierung ihre Asylpolitik deutlich verschärft hat und zum Beispiel Grenzkontrollen eingeführt hat. Schweden hat 2015 in Bezug auf die Bevölkerungszahl unter den EU-Ländern am meisten Asylsuchende aufgenommen. Bei den anderen Parteien herrscht in Bezug auf kommende Wahlen weiter Scheu sich auf eine formelle Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten einzulassen.

Anna Reimann

Finnland

Die Rechtspopulisten, früher die Wahren Finnen, heute nur noch Die Finnen holten bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr knapp 18 Prozent der Stimmen und wurden zur zweitstärksten Partei im Parlament. Sie regieren in einer Koalition mit der liberalen Zentrumspartei und der konservativen Nationalen Sammlungspartei. Zentrale Positionen der "Finnen" sind zum Beispiel: Sozialleistungen soll es nur für finnische Bürger geben, Flüchtlinge sollten in Lagern nahe ihrer Heimat untergebracht werden, Zuwanderung soll nur gestattet werden, wenn sie Finnland einen ökonomischen Vorteil bringt.

Anders als etwa in Norwegen haben die Rechtspopulisten als Regierungspartei an Beliebtheit verloren, zweitweise lagen sie in Umfragen bei unter neun Prozent. Ihnen fehlen in der Flüchtlingskrise entscheidende Ministerposten. Für Vertrauensverlust bei den Anhängern sorgte auch, dass die "Finnen" den Sparplänen der Koalitionspartner zustimmten - obwohl sie im Wahlkampf ein linksgerichtetes Finanzprogramm mit Vermögensteuer und Sozialhilfe versprochen hatten.

Anna Reimann

Ungarn

In Ungarn hat mit Jobbik (Die Besseren und Rechteren) eine der erfolgreichsten rechtsextremen Parteien Europas. Sie erhielt bei den Parlamentswahlen im April 2014 21 Prozent der Stimmen und liegt in Umfragen derzeit bei 25 bis 28 Prozent. Obwohl ihr Vorsitzender Gábor Vona bereits 2013 den Wandel von Jobbik zur nationalkonservativen Volkspartei ausrief, ist das Parteiprofil klar rechtsextrem.

Zu den Forderungen von Jobbik zählen ein Austritt Ungarns aus der EU, eine vollständige Abschottung des Landes vor Flüchtlingen, die Wiedereinführung der Todesstrafe, der "Kampf gegen Zigeunerkriminalität", die Zwangsinternierung von Roma-Kindern mit "Integrationsproblemen" und die militante Disziplinierung von Sozialhilfeempfängern. Die nationalkonservative Partei Fidesz des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán hat einen großen Teil dieser Jobbik-Forderungen in abgemilderter Form umgesetzt.

Keno Verseck

Rumänien

Rumänien ist derzeit das einzige osteuropäische EU-Land ohne eine rechtspopulistische oder rechtsextreme Partei im Parlament. Jedoch vertreten die beiden großen Parteien, die wendekommunistischen Sozialdemokraten (PSD) und die National-Liberale Partei (PNL), in Wahlkampagnen oder zu punktuellen Anlässen und Themen (Flüchtlinge, Roma, ungarische Minderheit Rumäniens) nationalistische, rassistische oder chauvinistische Positionen.

Um den Einzug ins Parlament bei den Wahlen Ende des Jahres kämpft derzeit der ehemalige Staatspräsident Traian Basescu mit seiner neuen Partei Volksbewegung (PMP); Basescu vertritt xenophobe und europaskeptische Positionen. Außerdem wollen sich im politischen Spektrum zwei neue rechtsextreme Parteien etablieren: die Partei Vereintes Rumänien (PRU) und die Partei Nationale Kraft (FN); letztere wird von Marine Le Pens Front National unterstützt.

Keno Verseck

Bulgarien

In Bulgarien sind derzeit ein ultranationalistisches Bündnis und eine rechtsextreme Partei im Parlament vertreten: die Patriotische Front (PF) aus den Parteien Nationale Front zur Rettung Bulgariens (NFSB) und Bulgarische Nationale Bewegung (VMRO-BND), die bei den Wahlen im Oktober 2014 auf 7,3 Prozent kam. Sowie die Partei Ataka, die 4,5 Prozent erreichte.

Die Patriotische Front unterstützt die konservative Minderheitenregierung und vertritt vor allem Positionen, die sich gegen die türkische Minderheit Bulgariens und deren politische Parteien richten. Außerdem will sie die "Alltagskriminalität der Roma" bekämpfen und fordert eine Abschottung Bulgariens gegen Flüchtlinge.

Ataka vertritt diese Positionen noch weitaus militanter. Außerdem pflegt Ataka enge Beziehung zur russischen Politik - sie gilt als von Moskau gesteuert und finanziert.

Keno Verseck

Baltikum

Europafeindliche Parteien haben in den baltischen Staaten kaum Chancen, die Mehrheit der Litauer, Letten und Esten steht hinter der EU - wenn sich auch die Regierungen in Vilnius, Riga und Tallinn in der Flüchtlingsfrage ähnlich ablehnend geäußert haben wie die anderen Osteuropäer. Der baltische Nationalismus ist vor allem antirussisch geprägt, alle drei Länder waren einst Sowjetrepubliken.

Die Angst vor Russlands neuem-altem Imperialismus hat nach der Annexion der Krim und mit dem Krieg in der Ukraine noch zugenommen. Profitieren konnte davon vor allem die Nationale Vereinigung - Alles für Lettland. Sie wurde bei der Parlamentswahl 2014 vierstärkste Kraft. Diese Truppe heroisiert die Lettische Legion der Waffen SS. Sie will vor allem die Rechte der russischen Minderheit beschneiden. Gut ein Viertel der Letten haben als Muttersprache Russisch.

Jan Puhl

Griechenland

In ihrer Flagge tragen sie ein angedeutetes Hakenkreuz, sie wenden sich gegen Ausländer ebenso wie gegen die in ihren Augen korrupte herrschende Schicht: Die Goldene Morgenröte macht aus ihren radikalen Ansichten keinen Hehl. Bei der letzten Parlamentswahl brachte ihr das fast sieben Prozent der Wählerstimmen ein. Vor allem bei den jungen, oft arbeitslosen Griechen kommen die Hassparolen und Aufmärsche der Rechten gut an. Im Parlament steht die Partei jedoch vollkommen isoliert. Setzt ein Redner der Goldenen Morgenröte an, verlassen viele Abgeordnete demonstrativ den Saal. In der Flüchtlingskrise hetzt die Partei offen gegen die Neuankömmlinge. Den befürchteten Popularitätsschub hat ihr das jedoch bisher nicht verschafft, die Umfragewerte bleiben konstant.

Gerade mal 3,69 Prozent der Stimmen holte die Partei Unabhängige Griechen (Anel) bei der letzten Wahl. Trotzdem sind die Rechtspopulisten Juniorpartner in der Regierungskoalition von Premier Alexis Tsipras. Parteigründer Panos Kammenos führt das Verteidigungsministerium - und betont seine patriotische Gesinnung regelmäßig mit entsprechenden Ansprachen und beeindruckenden Militärmanövern. Immer wieder geht es um die nationale Unabhängigkeit Griechenlands: Sei es in der Eurozone oder in der Abgrenzung gegen die Nachbarn Türkei und Mazedonien.

Giorgos Christides

Belgien

In Belgien vermischen sich Rechtspopulismus, Nationalismus und der in dem Land ohnehin virulente Separatismus. Das Resultat sind die Nieuw-Vlaamse Alliantie (Neu-Flämische Allianz, N-VA) und Vlaams Belang (Flämisches Interesse, VB). Die separatistische und als rechtsextrem eingestufte VB warnt vor einer Islamisierung Flanderns und macht immer wieder mit ausländerfeindlichen Parolen von sich reden. Zu ihren besten Zeiten erreichte VB bei Wahlen in Belgien 12 Prozent, in Flandern sogar 24 Prozent. Doch 2014 kam die Partei nur noch auf 3,7 bzw. 5,9 Prozent.

Als Hauptgrund gilt der Aufstieg der N-VA, die bei der belgischen Parlamentswahl 2014 mit 20,3 Prozent stärkste Kraft wurde. Auch sie ist für die Unabhängigkeit Flanderns, und auch sie vertritt nationalistische Positionen - wenn auch weit weniger radikale als VB. Offene Islam- oder Ausländerfeindlichkeit ist bei der N-VA kein Thema. Über Belgien hinaus bekannt ist vor allem Innenminister Jan Jambon, der nach den Terroranschlägen von Paris und Brüssel wiederholt in das internationale Interesse rückte.

Markus Becker

Niederlande

Die Niederlande waren schon 2002 dort, wo Deutschland demnächst sein könnte: Die Liste Pim Fortuyn kam bei der Parlamentswahl auf 17 Prozent - was auch daran lag, dass Fortuyn kurz vor dem Urnengang erschossen und von seinen Anhängern als Märtyrer verklärt wurde. 2006 flog die LPF wieder aus dem Parlament, doch ihr Wählerpotenzial - das sich vor allem aus Furcht vor muslimischer Einwanderung speist - existiert weiter.

Fortuyns Erbe hat Geert Wilders angetreten: Partij voor de Vrijheid (Seine Partei für die Freiheit, PVV) kam bei der Wahl 2012 auf zehn Prozent und ist damit drittstärkste Kraft, nachdem sie 2010 schon mehr als 15 Prozent bekommen hatte. Die Partei gilt als rechtspopulistisch bis rechtsextrem. Sie fordert unter anderem einen mehrjährigen Einwanderungsstopp für Muslime, die Schließung von Koranschulen und will den Bau neuer Moscheen verhindern. Auch der EU steht die PVV ablehnend gegenüber: Sie fordert die Abschaffung des Europaparlaments, eine Einschränkung der Tätigkeiten der EU-Kommission und den Austritt der Niederlande aus dem Schengener Abkommen, das Reisefreiheit innerhalb der EU ermöglicht.

Markus Becker

Deutschland

Als im Frühjahr 2013 die Alternative für Deutschland (AfD) in Berlin gegründet wurde, stand vor allem ein Thema im Mittelpunkt: die Eurokrise. Zur neuen Partei gehörten frühere CDU-Politiker, ehemalige FDP-Anhänger, vor allem aber prägten ihr Gesicht Wirtschaftsprofessoren wie Mitgründer Bernd Lucke und Jochen Starbatty.

Mitgründer Lucke, der einst selbst mit dem Thema Flüchtlingspolitik Stimmen zu fangen versucht hatte, geriet unter Druck. Es waren nicht nur ideologische Differenzen, die zu einer zunehmenden Entfremdung Luckes in der Führung führten - vorgehalten wurden ihm auch Alleingänge. Im Sommer 2015 unterlag er auf einem Mitgliederparteitag in Essen schließlich seiner Co-Vorstandssprecherin Frauke Petry. Seitdem wird die AfD von Petry und dem Volkswirtschaftsprofessor Jörg Meuthen geführt.

In den ersten Wochen nach Essen rutschte die AfD in eine Krise - in Umfragen kam sie nur noch auf zwei Prozent. Ab Spätsommer 2015 änderte sich die Lage: Die Führung stellte mit dem Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland auf einen klaren Kurs gegen die Große Koalition ab (Motto: "Merkel muss weg"). Der Flüchtlingszustrom sei ein "Glücksfall" für seine Partei gewesen, bekannte später freimütig AfD-Vize Alexander Gauland. In den Umfragen kletterte die AfD rasant nach oben und erreichte zuletzt bei Landtagswahlen im Frühjahr 2016 sowohl im Westen und Osten Rekordergebnisse - in Sachsen-Anhalt gar knapp über 24 Prozent.

Der Schwenk nach rechts wurde auf dem Programm-Parteitag im Mai 2016 in Stuttgart auch formal vollzogen - mit einem schroffen Kurs gegen den Islam ("Der Islam gehört nicht zu Deutschland"). Was die etablierten Parteien sorgen muss: Mit ihrer Positionierung konnte die AfD nicht nur in bedeutendem Maße bei jüngeren Nichtwählern punkten, sondern auch bei früheren Anhängern von CDU, SPD, Linke und sogar Grünen.

Angesichts von stabilen Umfragewerten über zehn Prozent könnte die AfD derzeit mit dem Einzug in den Bundestag rechnen. Bereits 2013 war sie beim nationalen Urnengang knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert - damals allerdings mit der Konzentration auf ihr Ursprungsthema, dem eurokritischen Kurs.

Severin Weiland

Schweiz

Ausländer und Asyl - das sind die Kernthemen der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Der Tenor der Rechtspopulisten: Werde die Zuwanderung nicht gesteuert, lebten in der Schweiz künftig mehr Ausländer als Schweizer. Das Land versinke zudem im "Asylchaos". Die Partei ist mit ihren Kampagnen oft sehr erfolgreich. So stimmten die Bürger etwa 2014 für eine SVP-Initiative "gegen Masseneinwanderung".

Bei der Parlamentswahl im vergangenen Herbst wurde die SVP erneut stärkste Partei. In der siebenköpfigen Regierung stellt sie seitdem wieder zwei Bundesräte. Das Land wird seit Jahrzehnten von einer Koalition aller großen Parteien geführt. Eine empfindliche Niederlage musste die SVP im Februar hinnehmen: Die Rechtpopulisten wollten mit ihrer sogenannten Durchsetzungsinitiative erreichen, dass Ausländer schon bei vergleichsweise geringfügigen Strafdelikten abgeschoben werden - automatisch, ohne richterliche Einzelfallprüfung. Die Bürger lehnten dies mit großer Mehrheit ab.

Björn Hengst

Österreich

Es war eine unglaublich enge Entscheidung bei der Stichwahl zum Bundespräsidentenwahl am 22. Mai. Mit 49,65 Prozent der Stimmen unterlag Norbert Hofer nur um Haaresbreite gegen Alexander Van der Bellen. Fast hätten die Österreicher einen Vertreter der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) an die Spitze ihres Landes gewählt - das Signal wäre verheerend gewesen. Doch auch so fragen sich viele Beobachter: Wohin steuert das Land, ist es wirklich so gespalten? Neben Hofer verfolgt auch Parteichef Heinz-Christian Strache große politische Ziele, er träumt vom Kanzleramt. Das sind die Ambitionen zweier Spitzenpolitiker der FPÖ, die derzeit so stark ist, dass es dem politischen Establishment des Landes angst und bange wird.

Es war die Flüchtlingskrise, die der FPÖ in die Hände spielte - denn gegen Ausländer machen die Freiheitlichen seit jeher Stimmung. "Keine Unterbringung von Asylwerbern gegen den Willen der Bürger", fordert die Partei. An anderer Stelle behauptet sie, Sozialdemokraten und Konservative hätten beim "Kampf gegen die Fremdenkriminalität" wertvolle Zeit verstreichen lassen.

Die FPÖ profitiert zudem von der Schwäche von SPÖ und ÖVP. Die Große Koalition der beiden Volksparteien ist bei den Bürgern unbeliebt - der Rücktritt von Werner Faymann als Bundeskanzler zeigte zuletzt, wie angeschlagen und ausgezehrt das Regierungsbündnis ist.

Björn Hengst

Kroatien

In Kroatien deckt die regierende national-konservative Sammelpartei "Kroatische Demokratische Gemeinschaft" (HDZ) den größten Teil des politischen Spektrums von der rechten Mitte bis nach Rechtsaußen ab. Gegründet 1989 als nationalistische Sammelbewegung, hatte sie nach der Jahrtausendwende eine Phase der gemäßigt konservativen, christdemokratischen Orientierung, bis der heutige HDZ-Parteichef Tomislav Karamarko wegen Stimmverlusten an kleine rechte Parteien 2011 eine scharfe Rechtswende vollzog.

Die HDZ ist heute nationalistisch, stark rechtskonservativ und klerikal, aber nicht explizit europaskeptisch ausgerichtet. Eine wichtige ideologische Rolle spielt die Verklärung der faschistischen Ustascha-Vergangenheit.

Explizit rechtsextreme Parteien haben in Kroatien kaum politischen Einfluss. Allerdings machen rechtsextreme Fußball-Hooligans häufig Schlagzeilen; zu nationalistischen Musik-Events wie denen des Rocksängers Marko Perkovic Thompson kommen regelmäßig Zehntausende.

Keno Verseck

Serbien

Serbiens politische Landschaft wird traditionell von nationalistischen Parteien dominiert. Das ist derzeit zum einen die Serbische Radikale Partei (SRS) des kürzlich vom Haager Kriegsverbrechertribunal freigesprochenen Politikers Vojislav Seselj. Sie ist eine extrem nationalistische und antieuropäische Partei, die ein großserbisches Imperium anstrebt.

Zum anderen gibt es die regierende Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Premierminister Aleksandar Vucic. Seine SNS spaltete sich 2008 von der SRS ab. Vucic, einst Kriegshetzer und Informationsminister unter dem Diktator Slobodan Milosevic, vertritt heute aus machttaktischen Gründen einen gemäßigten Nationalismus und eine nominell proeuropäische Orientierung, regiert aber autoritär.

Darüber hinaus gibt es in Serbien die Koalition Dveri-DSS aus der christlich-orthodox-nationalistischen Partei Dveri und der euroskeptischen Demokratischen Partei Serbiens. Diese Koalition macht unter anderem mit homophoben Aktionen Schlagzeilen.

Keno Verseck


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