Montag und Dienstag im Büro, Mittwoch bis Sonntag frei: Venezuelas Beamte mussten zuletzt nur wenig arbeiten - so wollte der Staat Strom sparen. Jetzt ist Schluss mit dem Freizeitleben.
Es waren Radikalmaßnahmen in der Energiekrise: Um Strom zu sparen, mussten Beamte in Venezuela seit Ende April nur noch an zwei Tagen in der Woche zur Arbeit kommen, freitags blieben auch Schulen geschlossen. Außerdem wurde die Zeitzone geändert, und neue Feiertage wurden eingeführt.
Nun hat Präsident Nicolás Maduro die Zwei-Tage-Woche für Beamte wieder aufgehoben. Bereits in dieser Woche sollten die Staatsbediensteten auch von Mittwoch bis Freitag für jeweils sechs Stunden an ihre Arbeitsplätze kommen, kündigte er in einer Fernsehansprache an. Unterricht solle wieder an allen Tagen stattfinden.
Überstanden ist die Krise in Venezuela allerdings noch lange nicht - im Gegenteil, es herrscht der Ausnahmezustand. Die Regierung schiebt die Energiekrise auf die nach eigenen Angaben schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Durch die lange Trockenzeit fehle den Wasserkraftwerken das Wasser zur Stromerzeugung. Die Opposition wirft Maduro hingegen vor, die Energieknappheit durch Missmanagment und Verschwendung mitverursacht zu haben.
Venezuela steckt tief in einer Rezession. Dem Land fehlen die Devisen, um Waren einzuführen. In den vergangenen Wochen wurden die Lebensmittel immer knapper, Krankenhäusern gehen die Medikamente aus.
Auch in der Bevölkerung wächst der Widerstand gegen die Regierung. "Wir haben Hunger", skandierten aufgebrachte Demonstranten am Dienstagabend im Armenviertel 23 de Enero in der Hauptstadt Caracas und forderten einen besseren Zugang zu Brot, Milch und anderen Grundnahrungsmitteln.
Die im Parlament dominierende Opposition wirft Maduro vor, den Weg in Richtung einer Diktatur bereiten zu wollen. Sie will den Präsidenten per Referendum absetzen - er und die seit 1999 regierenden Sozialisten versuchen, das zu verzögern. Denn findet die Abstimmung erst nach dem 10. Januar 2017 statt und Maduro wird abgewählt, gäbe es gemäß Verfassung keine Neuwahlen. Dann würde Maduros Vizepräsident die Amtsgeschäfte weiterführen und die Sozialisten blieben bis mindestens 2019 an der Macht.
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