Das ganze Ausmaß des Erdbebens in Ecuador wird nur langsam deutlich, die Zahl der Toten ist auf über 300 gestiegen. Retter versuchen, Verschüttete noch rechtzeitig zu erreichen.
Auch Hilfe aus Deutschland läuft nach dem schweren Erdbeben in Ecuador an: Helfer des Organisationsbündnisses "Aktion Deutschland Hilft" seien am Montag in das südamerikanische Land gereist, teilte das Bündnis mit. Ziel sei zunächst, sich ein genaues Bild davon zu machen, was die Menschen am dringendsten benötigten. Weil viele Gebiete noch von der Außenwelt abgeschnitten seien, könne das genaue Ausmaß der Katastrophe noch nicht abgeschätzt werden.
Die Zahl der Todesopfer ist auf mindestens 350 gestiegen. Die Zahl der Verletzten habe ebenfalls zugelegt, sagte Sicherheitsminister César Navas im Fernsehsender Teleamazonas. Präsident Rafael Correa hatte am späten Sonntag von mehr als 200 Toten und mehr als 2000 Verletzten gesprochen. Nach einem Besuch im Katastrophengebiet im Westen des Landes teilte er mit, es sei noch mit weiteren Opfern zu rechnen: "Ich fürchte, die Zahl wird noch steigen, weil wir weiterhin Trümmer beseitigen."Mehr als 300 Nachbeben seit Samstag
Von dem Beben besonders betroffen war die Küstenstadt Pedernales, in der nach Angaben der Behörden zwischen 60 und 80 Prozent der Gebäude einstürzten. Vom idyllischen Strand ist vielerorts nichts mehr zu sehen. Die Wasser- und Stromversorgung sowie die Telefonverbindungen seien größtenteils ausgefallen, berichtete die Nachrichtenagentur Andes. Auch die Städte Manta und Portoviejo sind schwer beschädigt worden.
Das Beben der Stärke 7,8 hatte das südamerikanische Land am Samstagabend erschüttert . Das Epizentrum lag in der Provinz Esmeraldas. Nach Angaben des Katastrophenschutzes gab es seit Samstag mehr als 300 Nachbeben. Rund 10.000 Soldaten und 4000 Polizisten sind den Angaben zufolge im Einsatz . Die Regierung hat der betroffenen Provinz Manabí 47 Millionen Dollar als Soforthilfe überwiesen. Die Europäische Union stellte eine Million Euro zur Verfügung.
Frau aus eingestürztem Kaufhaus befreit
Auch die Johanniter haben nach eigenen Angaben über ihre Partnerorganisation ein Team in die Erdbebenregion geschickt. "Für uns steht der Wiederaufbau im Fokus. Gleichzeitig prüfen wir, wie wir die Menschen, die beim Erbeben alles verloren haben, psychosozial unterstützen können", hieß es. Das Deutsche Rote Kreuz hat ebenfalls bereits Hilfe angeboten, wie die Organisation mitteilte. Aus vielen Regionen gab es Bilder von schweren Verwüstungen. Auch Mexiko , Kolumbien und Venezuela schickten bereits Helfer in das Katastrophengebiet.
Hunderte Menschen gelten noch als vermisst. Nach den Worten des Präsidenten handelt es sich um die schlimmste Katastrophe in Ecuador seit 67 Jahren. In sechs Provinzen Ecuadors galt der Ausnahmezustand. Das Beben war auch in der Hauptstadt Quito im Landesinneren zu spüren gewesen. Aus der Hafenmetropole Guayaquil wurden ebenfalls Tote und Schäden gemeldet.
In der Hafenstadt Manta wurden am frühen Montag drei Menschen lebend aus einem eingestürzten Kaufhaus geborgen. "Ruhig, du bist schon in Sicherheit", versuchte ein Feuerwehrmann eine junge Frau zu trösten, die er eben aus einem Loch zwischen Betonstücken herausgeholt hat. Viele Menschen suchten noch nach Angehörigen.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon gedenkt der Opfer
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach der Regierung des Landes und den Angehörigen der Opfer derweil sein Beileid aus. Gleichzeitig lobte er den rasch angelaufenen Notfalleinsatz. Auch ein Team der Vereinten Nationen sei auf dem Weg in das südamerikanische Land. Das Kinderhilfswerk Unicef teilte mit, bereits 20.000 Wasserreinigungstabletten in die am schlimmsten betroffene Region geliefert zu haben.In Portoviejo hatten derweil mehr als hundert Häftlinge die Lage genutzt, um aus dem beschädigten örtlichen Gefängnis auszubrechen, wie Justizministerin Ledy Zuñiga mitteilte. Etwa 30 seien danach wieder gefasst worden, andere seien später freiwillig zurückgekehrt.
Ecuador gilt als besonders anfällig für Naturkatastrophen . Das Land mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern liegt geografisch am sogenannten Pazifischen Feuerring, einem Gürtel Hunderter aktiver Vulkane. Er ist etwa 40.000 Kilometer lang und wie ein Hufeisen geformt. Dort treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen, die Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis zur Folge haben.
Video: Erdbeben erschüttert Ecuador
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