Japan: Weitere Todesopfer bei starkem Nachbeben auf Kyushu

vendredi 15 avril 2016

Zerstörte Häuser in Kumamoto
Getty Images

Zerstörte Häuser in Kumamoto

Bei starken Nachbeben in der japanischen Provinz Kumamoto sind mindestens 16 weitere Menschen ums Leben gekommen. Auch in den nächsten Tagen könnte es zu Erdstößen kommen.

Feuer, Stromausfälle, eingestürzte Brücken und aufgeplatzte Straßen: Ein weiteres schweres Beben hat die japanische Provinz Kumamoto erschüttert. Dabei kamen mindestens 16 Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtet von 19 Toten.

Bereits am Donnerstag war die Region auf der südlichen Hauptinsel Kyushu von einem ersten Erdbeben heimgesucht worden, bei dem neun Menschen starben und mehr als 1100 verletzt wurden. Das Beben hatte eine Stärke von 6,5 und war lediglich ein Vorausschock gewesen, gefolgt von zahlreichen weiteren Erschütterungen, wie die Meteorologische Behörde mitteilte. In der Nacht zum Samstag (Ortszeit) sei es zum eigentlichen Hauptbeben gekommen.

Nach dem erneuten Beben vom Samstag sind viele Häuser in der am schwersten betroffenen Provinz Kumamoto zerstört. In der Ortschaft Minamiaso ging ein gewaltiger Erdrutsch nieder und verschüttete eine Straße. Das Rathaus der Stadt Uto stürzte teilweise ein.

Fernsehsender zeigten Bilder von zerstörten Häusern und Straßen. Es gibt Berichte, wonach Opfer lebend unter Trümmern liegen. In rund 200.000 Haushalten in drei Provinzen auf Kyushu sei die Stromversorgung ausgefallen, wie lokale Medien berichteten.

In der Stadt Kumamoto musste ein Krankenhaus wegen Einsturzgefahr evakuiert werden. In einem Park campierten etwa 50 Anwohner, die nach dem Beben ins Freie geflohen waren. "Wir mussten unser Haus wegen der anhaltenden Erdstöße verlassen", sagte die 61-jährige Hisako Ogata. "Wir hatten wirklich Angst."

Ungewöhnliche Erdbeben

Die Atomreaktoren in der Unglücksregion sind nach Angaben der Betreiber nicht beeinträchtigt. Ein Regierungssprecher in Tokio kündigte die Entsendung von 20.000 Soldaten in die Katastrophenregion an.

"Es würde uns nicht überraschen, wenn es in den kommenden Tagen und Wochen erneut zu Erdbeben dieser Stärke kommen würde", sagte John Bellini vom Geologischen Dienst der USA (USGS).

Auf Kyushu sind zahlreiche Produktionsstätten angesiedelt, unter anderem aus der Auto-, Stahl- und Schiffbauindustrie. Im März 2011 hatte ein schweres Erdbeben in Japan einen Tsunami ausgelöst. Mehr als 18.000 Menschen kamen ums Leben. Außerdem verursachte die Naturkatastrophe die Havarie des Atomkraftwerks Fukushima.

Der Südwesten Japans bebt, weil vor der Küste die Philippinische Erdplatte mit sechs Zentimetern pro Jahr unter die Eurasische ruckelt. Die dicken Felskolosse sind verhakt - beizeiten lösen Beben die Spannung. Die aktuellen Beben sind ungewöhnliche Ereignisse, sie ereigneten sich laut USGS innerhalb der oben liegenden Eurasischen Platte, die von Brüchen durchzogen ist - und nicht wie gewöhnlich in größerer Tiefe an der abtauchenden Philippinischen Platte.

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